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10 Dinge, die ich nach 100 Tagen ohne Alkohol gelernt habe

1 — Ich bin ein Kaffee Junkie. In meiner Familie wird traditionell viel Kaffee getrunken. Ich brauchte schon immer viel davon, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Doch nichts schlägt die Mengen, die ich mir jetzt gebe. Bevor ich morgens das Haus verlasse, hatte ich meistens schon drei Tassen. Und wir reden nicht von diesen eleganten, italienischen Fingerhütchen, sondern von pechschwarzen 0,3 Portionen mit ungefiltertem, schlammigen Sud am Boden. Was soll’s, denke ich. Kaffee ist das letzte Erwachsenengetränk, das mir bleibt. Das letzte, was auf eine gute Art bitter ist.

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Bin ich Alkoholiker?

Vor Kurzem hat sich eine Freundin von mir selbst in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Die vorläufige Diagnose lautete schwammig Nervenzusammenbruch. Auch von Depressionen und Panikattacken oder vielleicht auch einer Borderline-Störung war von Zeit zu Zeit die Rede, neuerdings ist es offenbar eine PTBS (ja, das musste ich auch erstmal googeln). Tatsächlich war diese Freundin lange Zeit eine meiner liebsten Trinkkumpanen, da mit ihr immer klar war, dass sie nicht irgendwann genug haben und nach hause würde gehen wollen, zumindest nicht, solange wir noch halbwegs gerade stehen konnten. Mir war also sofort klar, was der Kern dieser Depression / Panikattacke / Borderline-Störung / Posttraumatischen-belastungsstörung sein musste. Sie hatte den Alkohol in der Familie, und ich wusste, sie trinkt wie ich.

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Ich fühlte mich als hätte ich glühende Kohlen gegessen. Die verfluchte Unterwäsche konnte mich mal

Tagebuch, 2008

»Alles, was du verbrannt, zerbrochen und zerrissen hast, halte ich noch immer in meinen Händen. Ich bin die Hüterin der zerbrechlichen Dinge und ich habe von dir behalten was unauflösbar ist.«
— Anais Nin

Alkohol als Thema zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Als Tochter eines Alkoholikers wurde ich schon früh mit dem Gefühl eines Erwachsenen gegenüber empfundenen Vertrauens-Vakuums bekannt.

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eins

»Hi, ich bin Mia, ich bin Alkoholikerin.«

Das ist natürlich eine Lüge. Ich glaube nicht in einer Million Jahren, dass ich eine Alkoholikerin bin. Und trotzdem sitze ich an diesem mit Schalen von Keksen und Kaffeekannen beladenen Tisch im Nebenraum einer Kirche in Berlin Prenzlauer Berg und sage diese Grußformel vor 15 fremden Leuten und spüre in meinen Knochen, dass es eine große Sache ist.

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