Warum das Ufer im Juni
Um den längsten Tag des Jahres herum bleibt es bis nach zehn Uhr hell. Das verändert, was ein Abend sein kann. Man muss nicht drinnen sitzen, um sich zu verabreden, und man muss nichts unternehmen. Ein Platz am Wasser, eine Decke und ein Getränk genügen. Am Ufer sitzen die Leute nebeneinander, schauen in dieselbe Richtung und haben mit Booten, Enten, Joggern und dem Licht auf dem Wasser genug zu betrachten, um nie in eine unangenehme Stille zu fallen.
An Sommerabenden liegt am Ufer allerdings auch die Bierflasche nahe. Wer etwas Eigenes mitbringt, hat das Thema schon erledigt, bevor es aufkommt. Eine Kanne mit eiskaltem Hibiskustee sieht in einem Becher außerdem so rot und festlich aus, dass niemand fragt.

So kann der Abend laufen
- Treffen an einer Bank oder einem bekannten Punkt am Ufer. Gemeinsam einen Platz suchen.
- Decke ausbreiten, Becher füllen. Die erste halbe Stunde gehört dem Ankommen.
- Ein Stück am Wasser entlanggehen, solange es noch warm ist. Ausstieg möglich
- Zurück auf die Decke. Die Sonne geht unter, das Licht wird orange.
- Es wird kühl und dunkel. Zusammenpacken, gemeinsam zur Haltestelle. Ausstieg möglich
Den richtigen Platz finden
Ein guter Uferplatz ist nicht der schönste, sondern der ruhigste. Treppen mit Musikboxen, Grillwiesen und Stege mit Badebetrieb sind für ein Treffen zu zweit zu laut. Besser ist eine Stelle mit etwas Abstand zum nächsten Nachbarn, idealerweise mit Blick nach Westen, damit man die Sonne untergehen sieht. Wer sich in der Gegend nicht auskennt, verabredet sich an einem eindeutigen Punkt, einer Brücke oder einer bestimmten Bank, und sucht dann gemeinsam.
Eine Decke mit wasserdichter Unterseite ist Gold wert, weil das Gras am Abend feucht wird. Zwei Kissen machen aus einer Stunde auf dem Boden drei. Wer Mücken anzieht, denkt an ein Mittel dagegen, denn am Wasser kommen sie mit der Dämmerung. Und ein Beutel für den Müll gehört dazu, damit der Platz so aussieht wie vorher.
Worüber man am Wasser redet
Ein Abend ohne Programm macht manchen Menschen Angst, weil nichts den Gesprächsfaden vorgibt. Am Ufer übernimmt das die Umgebung. Wer auf das Wasser schaut, fängt irgendwann an, über Orte zu reden: wo man aufgewachsen ist, welches Wasser man als Kind kannte, wo man zuletzt im Urlaub war, wo man gern einmal hinwürde. Das sind Themen, die von selbst weiterführen und trotzdem nichts Schweres verlangen.
Ein kleines Spiel für den Sonnenuntergang: Jeder schätzt, um wie viel Uhr die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, und wer näher dran ist, darf die nächste Verabredung aussuchen. Das ist albern, aber es sorgt dafür, dass man gemeinsam auf denselben Moment wartet. Und wenn das Gespräch eine Pause macht, ist das am Ufer kein Problem. Man hört dem Wasser zu, sieht einem Ruderboot nach und redet dann weiter. Gerade diese Pausen machen den Abend oft angenehmer als jedes durchgeplante Programm.
Was in die Kanne kommt
Hibiskustee aus getrockneten Blüten wird kalt angesetzt und braucht dafür nur Zeit, keinen Herd. Er ist tiefrot, säuerlich wie Johannisbeeren und lässt sich mit etwas Sirup und Limette zu einem Getränk machen, das nach mehr aussieht, als es Arbeit gemacht hat. In einer vorgekühlten Thermoskanne bleibt er den ganzen Abend kalt.
Kalter Hibiskustee für eine Kanne
5 Minuten plus eine Nacht im Kühlschrank · ergibt etwa 1 Liter
- 15 g getrocknete Hibiskusblüten (etwa 4 EL)
- 1 Liter kaltes Wasser
- 2 bis 3 EL Zucker oder Agavensirup
- Saft einer Limette
- ein paar Scheiben Orange
- Eiswürfel
- Hibiskusblüten mit dem kalten Wasser in einen Krug geben und über Nacht in den Kühlschrank stellen.
- Am nächsten Tag abseihen, Zucker oder Sirup darin auflösen.
- Limettensaft und Orangenscheiben dazugeben, abschmecken.
- Die Kanne mit Eiswasser vorkühlen, dann Tee und ein paar Eiswürfel einfüllen.
Wer es herber mag, nimmt statt Hibiskus einen Grapefruitsaft mit Tonic und einem Zweig Rosmarin, und füllt das Tonic erst am Ufer dazu.
Wenn es regnet
Dann wird es nichts mit dem Ufer, und das ist auch in Ordnung. Ein gutes Ausweichziel ist ein Café mit großen Fenstern zum Wasser, oder der Abend wird auf einen der nächsten Tage verschoben, denn im Juni gibt es viele davon. Für heißere Wochen passt der Juli im Freibad, und für ein Treffen, bei dem jeder etwas Selbstgemachtes mitbringt, das Picknick am See im August. Weitere kalte Füllungen für die Kanne stehen unter Im Becher.