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· Im Becher · 4 Min. Lesezeit

Gekaufte Limonaden, Sirup und das Kleingedruckte

Warum die Auswahl ohne Alkohol oft so süß schmeckt, und wie man das auf der Flasche erkennt

Gilt für
Kiosk, Café, Bar, Supermarkt
Wichtigste Zeile
Zucker je 100 ml
Faustregel
1 Würfel ≈ 3 g
Alternative
Schorle mit mehr Wasser

Wer ohne Alkohol ausgeht, kennt die Szene. Die Karte hat zwölf Weine, acht Biere und unter „Alkoholfrei“ drei Limonaden, eine Cola und einen Eistee. Alles kommt aus der Flasche, und alles schmeckt vor allem süß. Das ist kein Zufall, sondern liegt daran, wie diese Getränke gemacht werden: Zucker ist billig, er trägt Aroma, und er überdeckt, dass in vielen Flaschen kaum Frucht steckt. Wer das weiß, bestellt anders, und wer im Supermarkt für ein Picknick einkauft, greift vielleicht zu einer anderen Flasche.

Die eine Zeile, auf die es ankommt

Auf jeder Getränkeflasche steht eine Nährwerttabelle, bezogen auf 100 Milliliter. Für die Frage, wie süß etwas ist, reicht eine Zeile: „davon Zucker“. Bei klassischen Limonaden und Colas liegt der Wert oft um die zehn Gramm, bei Eistees und Fruchtsaftgetränken häufig zwischen sechs und neun Gramm. Das klingt nach wenig, bis man es auf die Flasche hochrechnet. Eine Halbliterflasche mit zehn Gramm pro 100 Milliliter enthält fünfzig Gramm Zucker. Ein Stück Würfelzucker wiegt ungefähr drei Gramm, die Flasche entspricht also etwa sechzehn Würfeln.

Niemand muss deshalb auf Limonade verzichten. Aber es erklärt, warum zwei Gläser vom Kiosk am Ufer eher klebrig als erfrischend wirken, und warum Selbstgemachtes, bei dem man die Süße selbst bestimmt, oft erfrischender schmeckt.

Eine Reihe bunter Limonadenflaschen ohne Etikett vor einer Holzwand
Bunte Flaschen, ähnliche Zutatenlisten

Was in der Zutatenliste steht

Die Zutaten sind nach ihrem Gewichtsanteil geordnet, das Wichtigste steht vorne. Bei den meisten Limonaden ist das Wasser, direkt danach kommt die Süße. Die heißt nicht immer Zucker. „Glukose-Fruktose-Sirup“, „Fruktose“, „Invertzuckersirup“ oder ein Fruchtsaftkonzentrat sind ebenfalls Zucker, nur in anderer Form. Steht Saft erst an vierter oder fünfter Stelle, ist der Fruchtanteil gering, auch wenn die Flasche mit Früchten bedruckt ist.

Werden Süßungsmittel verwendet, muss das auf der Flasche stehen, meist als „mit Süßungsmitteln“ und mit den Namen in der Zutatenliste. Ob man das mag, ist Geschmackssache. Wichtig ist nur, dass „light“ oder „zero“ nicht heißt, dass etwas weniger süß schmeckt, sondern dass die Süße aus einer anderen Quelle kommt.

Es lohnt sich, einmal in Ruhe zu lernen, wie man Zutatenlisten und Nährwerttabellen liest. Nach dem dritten Etikett geht es fast von selbst.

Drei Begriffe, die oft verwechselt werden

„Ohne Zuckerzusatz“ bedeutet, dass kein Zucker zugegeben wurde. Süß kann das Getränk trotzdem sein, etwa durch Fruchtsaft. Ein Apfelsaft ohne Zuckerzusatz enthält von Natur aus ungefähr so viel Zucker wie eine Limonade.

„Zuckerarm“ darf ein Getränk nur heißen, wenn es höchstens 2,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthält. „Zuckerfrei“ heißt höchstens 0,5 Gramm. Diese Grenzen sind in der EU festgelegt.

Saft, Nektar, Fruchtsaftgetränk sind drei verschiedene Dinge. Saft besteht ganz aus Frucht. Nektar enthält je nach Sorte nur einen Teil Saft, dazu Wasser und meist Zucker. Ein Fruchtsaftgetränk hat noch weniger Saft. Die Bezeichnung steht klein auf dem Etikett, oft unter einem großen Fruchtbild.

Sirup: konzentriert, also richtig dosieren

Fertige Fruchtsirupe bestehen oft zur Hälfte oder mehr aus Zucker. Das ist so gewollt, denn sie werden verdünnt, meist im Verhältnis eins zu sechs bis eins zu acht. Wer großzügig einschenkt, landet schnell bei einer Süße wie bei einer Limonade. Ein Esslöffel Sirup auf ein großes Glas Sprudel und ein Spritzer Zitrone ergeben dagegen ein leichtes, frisches Getränk. Selbst gekochte Sirupe wie der Rhabarbersirup aus dem April oder der Ingwersirup aus dem Mai funktionieren genauso.

Selbst gemachte Limonade in einer Bügelflasche, daneben Zitronen, Limetten und Ingwer
Selbst gemacht: Süße nach Geschmack

Eine kleine Probe im Supermarkt

Wer für ein Picknick einkauft, kann aus dem Etikettenlesen eine kleine Übung machen: drei Flaschen aus dem Regal nehmen, die Zeile „davon Zucker“ vergleichen und dann die mit dem niedrigsten Wert kaufen. Oft liegen zwischen zwei Eistees, die nebeneinander stehen und fast gleich aussehen, mehrere Gramm pro 100 Milliliter. Bei Schorlen lohnt sich ein Blick auf den Saftanteil, der häufig vorne auf der Flasche steht. Und Mineralwasser mit Geschmack ist nicht automatisch ungesüßt, auch hier hilft die Zutatenliste.

Was man unterwegs bestellen kann

Am Kiosk ist eine Schorle meist die beste Wahl, weil sie zur Hälfte aus Wasser besteht. In Cafés und Bars kann man fast immer nach einer Variante fragen, die nicht auf der Karte steht: eine Schorle mit mehr Wasser, Sodawasser mit Limette und einem Schuss Sirup, Tonic mit einer Grapefruitscheibe. Für Treffen draußen ist die eigene Kanne unschlagbar, Ideen dafür stehen in den sechs Getränken für die Thermoskanne.

Und wer bei alkoholfreiem Bier oder Sekt ganz sicher sein möchte: „Alkoholfrei“ darf dort bis zu 0,5 Prozent bedeuten. Wer null möchte, sucht die Angabe „0,0 %“ auf dem Etikett.