12Zwölf Verabredungen
03März

· Draußen · 4 Min. Lesezeit

März: Flohmarkt mit zehn Euro Budget

Zwei Stunden zwischen Kisten und Tischen, und am Ende hat jeder ein Geschenk, das höchstens fünf Euro gekostet hat

Treffpunkt
am ersten Stand
Uhrzeit
10:30
Dauer
ca. 2 Std.
Kosten
10 € für beide
Im Becher
Kaffee oder Kakao

Warum der Flohmarkt funktioniert

Im März ist das Wetter unentschlossen, aber die ersten Flohmärkte öffnen wieder unter freiem Himmel. Ein Flohmarkt am Sonntagmorgen hat alles, was ein erstes Treffen braucht: Bewegung, unendlich viel Gesprächsstoff und eine Uhrzeit, zu der niemand an Alkohol denkt. Zwischen alten Schallplatten, Porzellan und Kisten voller Postkarten erzählt jeder Gegenstand eine Geschichte, und meistens erzählt man dabei auch ein bisschen von sich selbst. Wer bei einem bestimmten Kaffeeservice stehen bleibt, weil die Großmutter genau so eines hatte, ist schon mitten im Gespräch.

Dazu kommt, dass man nebeneinander geht und nicht gegenübersitzt. Das Schweigen zwischen zwei Ständen ist ein ganz normales Schweigen, kein peinliches.

Hände blättern in einer Kiste mit Schallplatten auf einem Flohmarkt
10:45 · die erste Kiste

Die Regel mit den zehn Euro

Damit aus dem Bummeln ein kleines Spiel wird, gibt es eine einzige Regel: Ihr habt zusammen zehn Euro, jeder bekommt fünf. Damit sucht jeder etwas für den anderen aus, ohne dass der es sieht. Am Ende werden die Fundstücke getauscht und erklärt. Die Grenze von fünf Euro sorgt dafür, dass niemand sich unter Druck gesetzt fühlt, und sie macht erfinderisch. Eine Postkarte aus einer Stadt, von der der andere erzählt hat, ein Eierbecher in seiner Lieblingsfarbe, ein Buch mit einem schönen Titel.

Wer gut zuhört, findet das bessere Geschenk. Wer schlecht zuhört, findet das lustigere. Beides ist in Ordnung.

So kann der Vormittag laufen

  1. Treffen am ersten Stand, Kaffee aus dem Becher, Regel erklären, Geld aufteilen.
  2. Zusammen eine erste Runde drehen und zeigen, was einem gefällt. Gut zuhören.
  3. Getrennt suchen, zwanzig Minuten, Treffpunkt ausmachen. Ausstieg möglich
  4. Fundstücke tauschen und erklären, auf einer Bank oder einer Mauer am Rand.
  5. Mittagessen am Imbissstand oder Abschied, je nachdem. Ausstieg möglich

Was man dabei übereinander erfährt

Der Tausch am Ende ist der eigentliche Kern des Vormittags. Wer etwas für einen anderen aussucht, muss sich überlegen, was dieser Mensch mag, und das zeigt Aufmerksamkeit. Hat er sich gemerkt, dass du gern kochst, dass du als Kind Briefmarken gesammelt hast oder dass Grün deine Lieblingsfarbe ist? Umgekehrt erfährt man beim Erklären des eigenen Fundstücks, wie der andere reagiert. Freut er sich über eine kleine Idee, oder hätte er lieber etwas Nützliches gehabt? Lacht er über das schräge Geschenk, oder ist er irritiert?

Auch das Verhalten zwischen den Ständen sagt einiges. Manche bleiben überall stehen und fragen nach der Geschichte eines Gegenstands, andere gehen zügig durch und haben nach zehn Minuten ihr Fundstück. Manche handeln gern, anderen ist es unangenehm. Keine dieser Arten ist besser als die andere, aber man lernt sie in zwei Stunden auf dem Flohmarkt besser kennen als an einem ganzen Abend am Tresen.

Was in den Becher kommt

Auf den meisten Flohmärkten gibt es Kaffee, aber selten gut und selten ohne Schlange. Ein Thermobecher mit Deckel, zu Hause gefüllt, ist die entspannte Lösung. Wer keinen Kaffee mag, nimmt Kakao oder einen kräftigen Tee mit Milch. Um halb elf an einem kühlen Märzmorgen ist ein warmer Becher in der Hand mindestens so viel wert wie ein guter Satz zur Begrüßung. Für weitere Ideen lohnt ein Blick auf die sechs Getränke für die Thermoskanne.

Ein paar Hinweise für den Markt

Früh kommen lohnt sich nur für Sammler, für ein Date reicht der späte Vormittag. Dann sind die Händler entspannter und handeln lieber. Handeln gehört dazu, aber freundlich. Ein Stoffbeutel ist praktisch, Kleingeld unverzichtbar, weil viele Stände keine Karten nehmen. Und wer einen Gegenstand für den anderen kauft, lässt ihn sich am besten in Zeitungspapier einwickeln. Dann bleibt die Überraschung bis zum Tausch.

Für das Wetter im März gilt: lieber eine Schicht zu viel. Auf einem Flohmarkt steht man viel herum, und der Wind zieht zwischen den Ständen hindurch. Handschuhe, in denen man noch Münzen greifen kann, sind ideal. Und wer einen kleinen Schirm in die Tasche steckt, muss bei einem Schauer nicht gleich das Treffen abbrechen, sondern stellt sich unter das Dach des nächsten Standes und blättert dort weiter.

Manchmal findet keiner von beiden etwas, das passt. Dann gilt die Ersatzregel: Für das restliche Geld gibt es Waffeln oder eine Portion Pommes, und das Gespräch dreht sich darum, warum nichts gepasst hat. Auch das verrät eine Menge.

Wenn kein Flohmarkt stattfindet

Wenn das Wetter nicht mitspielt oder kein Markt in der Nähe ist, funktioniert dieselbe Regel in einem großen Second-Hand-Laden, einem Antiquariat oder einem Sozialkaufhaus. Die Grenze von fünf Euro pro Person bleibt, der Tausch am Ende auch. Wer danach noch Zeit hat, kann den Nachmittag mit einem Spieleabend im Café verlängern, oder sich für den April eine Radtour am Wasser vornehmen.