Warum ein Gewächshaus
Der Februar ist der Monat, in dem niemand mehr Lust auf Winter hat und der Frühling noch nicht in Sicht ist. Draußen ist es nass und grau, in der Kneipe ist es warm und laut. Das Gewächshaus bietet einen dritten Weg: Wärme, Licht und Grün, aber ohne Lärm und ohne Getränkekarte. Wer durch die Tür eines Palmenhauses tritt, steht plötzlich in feuchter Luft, die nach Erde und Blüten riecht. Diese Überraschung teilt man, und schon hat man das erste Gesprächsthema.
Viele Städte haben einen botanischen Garten mit Schauhäusern, oft auch eine Orangerie, ein Kakteenhaus oder ein Tropenhaus im Stadtpark. Der Eintritt ist meist günstig, manchmal an bestimmten Tagen sogar frei. Im Winter sind die Häuser unter der Woche angenehm leer.

So kann der Nachmittag laufen
- Treffen an der Kasse. Jacken über den Arm, denn drinnen wird es schnell warm.
- Erstes Haus: Tropen. Die Brille beschlägt, das ist der Moment für den ersten Witz.
- Kakteen oder Wüstenhaus. Trockene Luft, leise Ecken, Bänke zum Sitzen. Ausstieg möglich
- Ein letzter Gang durch das Lieblingshaus, dann wieder in die Kälte.
- Heiße Schokolade im Café nebenan oder aus der mitgebrachten Kanne auf dem Heimweg. Ausstieg möglich
Worüber man zwischen Palmen redet
Pflanzen sind ein dankbares Thema, weil niemand Experte sein muss. Die Schilder an den Beeten liefern genug Stoff: Wo eine Pflanze herkommt, wie groß sie wird, warum ein Kaktus so aussieht, wie er aussieht. Ein kleines Spiel macht den Rundgang lebendiger. Jeder sucht sich in jedem Haus eine Pflanze aus, die zum anderen passt, und erklärt am Ausgang, warum. Das ist albern genug, um zu lachen, und verrät trotzdem etwas darüber, wie jemand den anderen sieht.
Wer lieber still schaut, darf das auch. Ein Gewächshaus verträgt Pausen besser als ein Tisch zu zweit, an dem jede Stille sofort auffällt. Man steht nebeneinander vor einer Seerose und muss nichts sagen.
Wann man am besten hingeht
Die ruhigsten Stunden sind unter der Woche am frühen Nachmittag oder am Wochenende kurz nach dem Mittag, wenn die Familien mit kleinen Kindern schon wieder auf dem Heimweg sind. Viele Schauhäuser schließen im Winter früher als der Garten im Sommer, oft schon am späten Nachmittag. Ein kurzer Blick auf die Öffnungszeiten erspart die Enttäuschung, um vier vor verschlossener Tür zu stehen. Wer nach der Arbeit kommt, plant knapp und lässt das Café danach länger dauern.
Ein Detail, an das kaum jemand denkt: Wer aus der Kälte in die feuchte Wärme kommt, schwitzt schnell in der Winterjacke. Eine Jacke, die man über den Arm legen kann, und eine leichte Schicht darunter machen den Rundgang angenehmer. Brillenträger sollten ein Tuch einstecken, denn die Gläser beschlagen in den ersten Minuten sofort. Das ist ein guter Moment zum Lachen, aber nicht für die ganze Stunde.
Manche Gärten bieten an bestimmten Tagen kleine Führungen an. Für ein erstes Treffen ist das eher nichts, weil man dann einer dritten Person zuhört statt einander. Beim zweiten Besuch kann es dagegen ein schöner Anlass sein.
Was danach in den Becher kommt
Nach einer Stunde in feuchter Wärme fühlt sich die Februarluft doppelt kalt an. Genau dann schmeckt eine heiße Schokolade am besten, und zwar eine, die nicht aus dem Automaten kommt. Mit echtem Kakaopulver und etwas Zimt wird sie dunkel und nicht zu süß. Sie lässt sich zu Hause vorbereiten und in einer Thermoskanne mitnehmen, falls neben dem Gewächshaus kein Café liegt.
Heiße Schokolade für zwei Becher
10 Minuten · ergibt etwa 500 ml
- 400 ml Milch oder Haferdrink
- 100 ml Wasser
- 2 gehäufte EL Kakaopulver ohne Zucker
- 2 TL Zucker oder Ahornsirup
- 1 Prise Zimt, 1 Prise Salz
- nach Wunsch etwas Orangenschale
- Kakao, Zucker, Zimt und Salz mit dem Wasser in einem Topf glatt rühren.
- Milch dazugießen und unter Rühren erhitzen, bis es dampft, nicht kochen lassen.
- Orangenschale für fünf Minuten hineinlegen, dann herausnehmen.
- Kanne heiß ausspülen, Schokolade einfüllen und gut verschließen.
Wenn es kein Gewächshaus gibt
Nicht jede Stadt hat ein Palmenhaus. Eine große Gärtnerei mit Wintergarten, ein Blumengroßmarkt am Samstagmorgen oder der Innenhof einer Markthalle mit Topfpflanzen erfüllen einen ähnlichen Zweck: Licht, Grün, Wärme und etwas zum Anschauen. Auch eine Ausstellung über Pflanzen oder ein Naturkundemuseum taugt dafür, Hauptsache, man steht nebeneinander und schaut auf etwas Drittes.
Wer den Januar verpasst hat, findet die Eisbahn mit Thermoskanne eine Seite weiter. Für den nächsten grauen Tag passt das Museum am langen Donnerstag. Und der Gedanke hinter beiden, ein Ort mit Beschäftigung statt eines Tisches zu zweit, steht ausführlicher in den sieben Handgriffen.